Portrait

Was steckt hinter einem Sportverein, der es fertig bringt, fast alljährlich mindestens einen Schweizermeistertitel zu erobern? Was braucht es für eine Infrastruktur, damit Spitzensport und Breitensport mit Männern, Frauen und Teenies unter einen Hut gebracht werden können? Wie kann ein Sportclub einer typischen Randsportart überleben? Wer sind die Leute, die sich über Jahre unentgeltlich für den RCT einsetzen? Folgendes Portrait zeigt die Geschichte und die Erfolge des Club bis heute nach.

Weitere interessante Details zum Club findet sich in der Festschrift zum 75-jährigen bestehen des Ruderclub Thalwil.


CLUB-ZEITSCHRIFT RCT Info

RCT Info 2017/1

Geschichte

Im 6. Februar 1932 wurde im Hotel Katharinahof in Thalwil der Ruder Club Thalwil gegründet. Die ersten neun Clubmitglieder bildeten sodann auch gleich den gesamten Vorstand. Zu ihm gehörten Heinrich Peyer als Präsident und die Herren Hans Güttinger, Otto Meier, Willy Scheller, Jacques Benz, Albert Diem, Max Hürlimann, Werner Salzmann und Alfred Wetzel. Als Bootshaus diente das alte Lagerhaus der Firma Schwarzenbach. Der Club hatte vier Boote, zwei Yoles de mehr namens Gei und Moor, einen uralten Zweier und einen Occasion-Achter. Da das "Bootshaus" zu kurz war oder der Achter zu lang, musste das Boot vor jeder Ausfahrt zuerst zusammengeschraubt werden. Der Ponton lag zwischen dem Hotel Krone und der Gerberei. Der Club ist rasch gewachsen und hat stets neue Mitglieder gefunden. Namen wie Schoch, Meier, Grossmann, Hunziker, Zürrer, Genner, Staub, Salzmann, Brupbacher, Brunner, Dürsteler, Bürki, usw. fanden Aufnahme in der Adresskartei. Viele dieser Namen bürgen noch heute für Tradition.

 

Ein richtiges Bootshaus

1955, also nach über zwanzig Jahren Beherbergung in der Schwarzenbach-Scheune, wurde unser neues Bootshaus eingeweiht. Es herrschte grosse Freude, konnte der kleine Bootspark doch endlich direkt neben dem See einquartiert werden. Erstaunlicherweise hatte der RCT inzwischen bereits die ersten Meistertitel gewonnen und an den Olympischen Spielen teilgenommen. Mehr dazu später. 1982 feiern die Thalwiler Ruderer ihr 50-jähriges Bestehen und beziehen als Geschenk das erweiterte und renovierte Bootshaus, welches durch den Einzug des Damenruderns gleichzeitig angepasst wurde. Zur Infrastruktur gehören ein Clubraum mit Cheminée und Traumaussicht auf den See, eine Küche, eine Sauna, zwei Garderoben mit Duschen, ein Gewichtsraum und natürlich die Bootshalle. Der Verein zählt inzwischen über vierhundert Mitglieder.

 

Das Bootshaus platzt aus allen Nähten

Der Gewichtsraum musste bald einer Werkstatt weichen und fand dort, wo die Geschichte des RCT begonnen hat, eine vorläufig glückliche Fortsetzung - einmal mehr dank der sportfreundlichen Firma Schwarzenbach. Auch die topmodernen Trockenrudergeräte, die Ergometer Concept II, fanden dort Unterschlupf. In der Bootshalle liegen gegen vierzig Boote vom Skiff bis zum Achter, vom ultraschnellen Rennboot bis zum strapazierfähigen Tourenschiff. Leider fanden nicht mehr alle Boote in der Bootshalle Platz, sodass teures Material draussen gelagert werden musste. Die Ruderclübler träumten davon, dass sie ihren Bootspark wieder unterdach bringen, dass sie im Bootshaus Trockentraining betreiben, dass das Verladen der Regattenboote abseits der gefährlichen Seestrasse geschieht. Dieser Traum wurde anlässlich des Projekt 75 erfüllt. Der damalige Clubpräsident Bruno Rieser engagierte sich mit allen Kräften für den Bau eines neuen und vorallem grösseren Bootshauses, welches der Clubgrösse angemessen ist. Der Bau des aktuellen Bootshauses wurde im Jahr 2007/2008 dank grosszügiger Unterstützung durch Sponsoren und dem Einsatz von unermüdlichen Clubmitgliedern ermöglicht. Im Sommer 2008 wurde das neue Clubhaus fertiggestellt. Die neue Steganlage durften wir im Frühjahr 2009 in Betrieb nehmen.

 

Erfolge

Schweizer Meisterschaften

Anno 1948 war es endlich soweit - das erste Meisterfanion fand den Weg nach Thalwil. Die gesteuerte Yole-de-mer mit Rolf Bührer, Hans Hartmann, Pic Huber, Hans Toggweiler und Steuermann Walter Leiser vollbrachte das Kunststück, auf dem Rotsee zu siegen. Nur drei Jahre später begann für den RCT eine erwähnenswerte Erfolgswelle. Während acht Jahren stellten die Thalwiler ununterbrochen den Meister im Achter. Diese Phalanx wurde erst 1959 durch Luzerner Ruderer abgebrochen. Leute wie Emil Ess, Karl Weidmann, Rico Bianchi, Heini und Hansruedi Scheller, Charly Bliss und Walter Knabenhans, um nur einige zu nennen, schrieben Geschichte. Mit den Achterleuten wurden zudem zahlreiche Titel in den beiden Riemenvierern erbeutet. Nach einer eher mageren Zeit bezüglich Meisterschaften begann 1974 eine neue Aera mit Jörg Weitnauer und Bruno Saile an der Front. Sie waren echte Zugpferde im doppelten Sinn: kräftig und motivierend. In der Folge gelangen diesem Duo der Gewinn von gut zwei Dutzend Meistertiteln in sieben verschiedenen Bootsgattungen. Um diese beiden Hünen formierte sich in den Achtzigerjahren wieder eine starke Achter-Crew, deren Leistungen die glorreichen Fünfzigerjahre in Erinnerung rief. Ab 1985 bis heute gewann der RCT elfmal die Meisterschaft im Achter. Lediglich 1988, 1994 und 1998 standen Konkurrenzboote vor der Sonne. Günter Schneider, der heutige Clubpräsident, rudert notabene seit 1985 im Clubachter und tut dies heute noch. Ohne die Leistungen aller weiteren, für einen Achter notwendigen, Thalwiler Ruderer zu schmälern, gilt Schneider seit Jahren als grosse Stütze.

Anfangs der Achtzigerjahre begann im RCT die Frauen-Power. Trudy Schneider (heute Saile) und Ursula Wehrli holten 1980 im Doppelzweier für Thalwil das erste Frauen-Fanion, dem in den folgenden Jahren noch einige folgten.

Insgesamt gewann der RCT in seiner Clubgeschichte 79 Schweizermeistertitel durch 66 verschiedene Mitglieder, wovon 62 in reinen Clubmannschaften und 17 in Renngemeinschaften. Seit 1974 holte der RCT jedes Jahr mindestens einen Meistertitel. Einzige Ausnahme bildet das Jahr 1982: dafür wurden wir damals Weltmeister. An den inzwischen ad acta gelegten Interclub-Schweizermeisterschaften holte der RCT acht Titel bei insgesamt 13 Austragungen. Zu den erfolgreichsten Thalwilern, gemessen an SM-Titeln, gehören Jörg Weitnauer mit 25 Titeln, Bruno Saile und Günter Schneider (je 23), Werner Fuchs (15) sowie Michael Bänninger und Karl Weidmann (je 14).

Olympische Spiele und Weltmeisterschaften

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir immer wieder Ausnahmetalente in unseren Reihen hatten. Zu einem besonderen Highlight gehörte die Olympia-Silbermedaille von 1952 im Vierer-mit, errungen durch die Crew Bianchi, Weidmann, Ess, Scheller, Leiser (Stm.). Leider wurde ihnen ein Start 1956 in Melbourne im Vierer-ohne infolge eines Boykotts (Einmarsch der UDSSR in Ungarn) verwehrt. Vertreten war der RCT aber auch 1960 in Rom (Rico Bianchi und Walter Knabenhans) und 1968 in Mexico (Nicolas Gobet). 1976 gehörte Jörg Weitnauer erstmals zu einer Olympiamannschaft. Doch nicht nur in Montreal, sondern auch 1980 in Moskau, 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul war er mit von der Partie. Aber auch sein Partner Bruno Saile brachte es auf drei Teilnahmen. Olympisches Edelmetall wurde leider nie mehr gewonnen. Mit Michael Bänninger (11. im Skiff) und Michael Erdlen (5. im Doppelvierer) waren vor zwei Jahren in Atlanta wieder zwei Thalwiler dabei. 

Zu den grössten Erfolgen an Weltmeisterschaften gehört aus Thalwiler Sicht der Weltmeistertitel 1982 von Saile und Weitnauer auf dem Rotsee. Zusammen mit den Schaffhausern Netzle und Trümpler gewannen sie im Vierer-ohne Gold, nachdem sie ein Jahr zuvor in München noch Vizeweltmeister wurden. Doch auch die 1978 in Karapiro von Saile/Weitnauer gewonnene Bronzemedaille im Doppelzweier bereitete viel Freude und die vielen weiteren Spitzenresultate an Weltmeisterschaften. Heute sind es Michael Erdlen und Michael Bänninger, die Geschichte schreiben wollen. Bänninger wurde 1997 in Frankreich Vizeweltmeister im leichten Skiff. 

 

Heute

Jugendförderung

Dass nicht nur Spitzenruderer einen Club zum Laufen bringen, liegt auf der Hand. Bei den Junioren und Juniorinnen steckt die Zukunft und dazu braucht es ausgebildetes Personal. Die Betreuer besuchen Sportleiterkurse, opfern ihre kostbare Zeit und versuchen, die Jugendlichen zu motivieren. Erfreulicherweise kristallisieren sich immer wieder neue Talente heraus.

Breitensport

Dieses Thema wird im RCT ebenfalls gross geschrieben. Zum Angebot gehören wöchentliche Ausfahrten auf dem See, Vollmond-Ausfahrten, mindestens eine Flusswanderfahrt, gemütliche Hocks mit Gastwirtschaft, Winterturnen, Ergotraining, usw.

Clubleitung

Heute wird der Ruderclub Thalwil durch ein Fünfer-Gremium geführt. Vereinspräsident ist  Hugo Höhne (LeiterSponsoring), Co-Präsident Reto Bussmann, Vizepräsidenten sind Andreas Brander (Leiter Leistungssport), Pierre Buck (Leiter Breitensport)  und Ralph Schmid (Leiter Stab). Im erweiterten Vorstand arbeitet ein grosses Team, welches dafür sorgt, dass die Finanzen, das Aktuariat, die Clubanlässe, das Sponsoring, die Trainingsleitungen, die Breitensportanlässe, die Material- und Bootshausverwaltung usw., im RCT rund über die Bühne läuft