Mein Weg zur U19-WM – Ein Beitrag von Jonas Fröhndrich

Liebe Ruderinnen und Ruderer des Ruderclub Thalwil,

Jeder Weg hat einen Anfang. Meiner begann mit dem Sommerkurs 2022 und mit dem einfachen Gedanken: «Ich will mehr.» Mehr aus mir herausholen, mehr erleben, mehr erreichen. Was als vage Idee im Training begann, führte mich über Kaderselektionen, Trials und internationale Rennen bis zur U19-Weltmeisterschaft in Plovdiv. Auf diesem Weg gab es Momente des Stolzes, der Enttäuschung und der Erkenntnis. Aber vor allem viele Menschen, ohne die ich heute nicht dort stünde, wo ich stehe.

Dieser Bericht ist kein perfekter Erfolgsbericht. Er ist ein Versuch, ehrlich festzuhalten, wie es ist, als junger Ruderer aus einem Club wie Thalwil den Schritt in das Nationalkader und an eine WM zu wagen. Vielleicht findest du darin etwas, das du aus deinem eigenen Training kennst. Vielleicht erkennst du, dass sich der Aufwand lohnt – auch wenn nicht alles nach Plan läuft. Und vielleicht gibt dir diese Geschichte eine kleine Portion Mut, selbst grösser zu träumen.

Schon seit Tag eins im Ruderclub war ich ehrgeizig. Ich wusste, dass in mir Potenzial steckt, und ich wollte es bis ganz nach oben bringen. Mein grosses Ziel war klar: eines Tages die Schweiz an einer internationalen Meisterschaft zu vertreten. Dass dieser Traum mit der U19-Weltmeisterschaft in Plovdiv, Bulgarien (5.–9. August 2026) Realität wurde, ist für mich ein riesiger Meilenstein (und gleichzeitig erst der Anfang?).

Der Gedanke, im schweizer Einteiler am Start zu stehen, hat mich in vielen harten Trainingsstunden angetrieben. Besonders wichtig waren dabei meine Kollegen im Ruderclub Thalwil – vor allem Lars (Elsener, Anm. Redaktion), der mich immer wieder gepusht hat, wenn es mal nicht so lief. Ohne dieses Umfeld und diese Unterstützung wäre der Weg bis zur WM kaum denkbar gewesen.

Der Weg zur U19-WM

Der Weg zur WM war ein Prozess über etwa zwei Jahre. Alles begann mit den Kaderselektionen im Winter. Wer dort überzeugte, wurde zu den Trials in Corgeno eingeladen. Dort wurde einerseits über die Zugehörigkeit zum Kader entschieden, andererseits in welchem Boot man antreten würde. Ich wurde für den Doppelvierer der Männer selektioniert, als Schlagmann.

Nach den Trials folgten erste Rennen, unter anderem in München, wo wir uns weiter beweisen mussten. Diese Regatta diente als Selektion für die Europameisterschaften. Weiter entschied die EM schliesslich für die Selektion der Weltmeisterschaft. Parallel dazu lief die Schule auf Hochtouren: Ich befand mich im letzten Schuljahr vor den Maturaprüfungen. Das bedeutete viel Organisation, wenig Freizeit und die ständige Frage, ob ich beides (Schule und Spitzensport) wirklich unter einen Hut bekomme.

Eine zusätzliche Herausforderung war, dass wir aufgrund gesundheitlicher Probleme eines Teamkollegen mehr Trials fahren mussten als ursprünglich geplant. Das war nicht immer einfach, hat uns aber auch näher zusammengebracht und gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt und Flexibilität im Team sind.

Die U19-WM in Plovdiv

Die U19-Weltmeisterschaft fand in Plovdiv, Bulgarien, statt. Vom 5. bis 9. August 2026 war ich dort als Schlagmann im Männer-Doppelvierer im Einsatz. Meine Bootspartner waren Lucas Jordil, David Bisang und Alexander Bodmer. Zusammen bildeten wir eine Crew, die nicht nur auf dem Wasser, sondern auch abseits davon als Familie funktionierte.

Unser erstes und einziges Rennen an der WM war gleichzeitig unser Vorlauf. Leider wurde es für uns sehr schnell zu einem emotionalen und sportlich harten Erlebnis: Einer meiner Kollegen wurde bereits während des Rennens ohnmächtig. Für uns war die Regatta damit leider schon früher vorbei, als wir es uns je hätten vorstellen können.

Diese Enttäuschung sitzt noch immer tief. Man arbeitet so lange, so hart und so konzentriert auf ein solches Rennen hin und dann ist es innerhalb von Minuten vorbei, ohne dass man wirklich zeigen kann, was man kann. Unser Ersatzmann war bereits anderweitig vergeben, sodass wir keine zweite Chance erhielten. Gleichzeitig war und ist mir aber eines klar: Die Gesundheit der Kollegen geht vor! So ist das Leben manchmal. Und ich bin Überzeugt: Irgendwann wird die harte Arbeit belohnt. Vielleicht nicht genau so, wie man es sich vorstellt, aber auf eine Art, die im Rückblick Sinn ergibt.

Was ich aus den Rennen mitgenommen habe

Insgesamt durfte ich 11x für die Schweiz starten. Aus den Rennen habe ich vieles gelernt (Renntaktik):

• Fokus auf das Boot und auf dich selbst, nicht auf die anderen.
• Verliere nie das Feld aus den Augen – das Rennen ist erst an der Ziellinie vorbei.
• Vertrauen in deine Kameraden und kontrollierte Aufregung.

(Wer Tips zu Rennvorbereitung, Rennstrategie, etc. möchte, kann gerne auf mich zukommen)
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie stark der Fokus auf das eigene Boot und das eigene Team sein kann, und wie wichtig es ist, bis zum letzten Meter alles zu geben, egal was um einen herum passiert.

Team, Kader und das Gefühl, für die Schweiz zu starten

Das Teamgefühl im Schweizer U19-Kader war durchwegs sehr gut. Wir waren wie eine grosse Familie: Jeder hat für den anderen mitgekämpft und schlechte Laune wurde schnell als Team-Schaden erkannt und vermieden. Besonders schön waren die Momente abseits des Rennens: gemeinsames Kartenspielen, Volleyball spielen, einfach zusammen sein und lachen. Diese Zeit hat mich fast genauso geprägt wie die Rennen selbst.

Ich war auch an den Europameisterschaften Ende Mai in Brandenburg dabei – ebenfalls im Doppelvierer als Schlagmann. Dort wurden wir Zehnte, obwohl wir nur etwa drei gemeinsame Trainings absolviert hatten. Die EM war für mich eine Art Generalprobe: Man kannte die anderen Teams noch nicht so gut, war entsprechend angespannt und wusste nicht genau, was einen erwartet. Die WM war dann eine Stufe intensiver, aber auch vertrauter, weil wir uns als Crew schon besser kannten.

Im Kader selbst war die Atmosphäre immer super. Es war zwar anstrengend, aber man sah ständig Fortschritte – bei sich selbst und im Team. Für die Schweiz zu starten, war ein riesiger Stolz. Und ja: Auch die vielen Kleider, die man als Kaderathlet bekommt, sind ein netter Bonus ;).


Was ich jungen Ruderern mitgeben möchte

Wenn ich an mein jüngeres Ich denke, das gerade erst mit dem Rudern angefangen hat, würde ich ihm vor allem eines sagen: Es lohnt sich! Später wirst du es bereuen, wenn du es nicht versucht hast.

Die U19 ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur U23 und zur Elite. Es geht dabei weniger um die Resultate als um Renn-Erfahrung, Teamgefühl und das Rudern selbst. Wer hart arbeitet, wird früher oder später belohnt.

Meine Tipps an euch junge Ruderer im Club:

• Training im Skiff ist sehr wichtig – So lernst du am schnellsten das Boot zu bewegen und technische Fortschritte zu machen.
• Konzentriere dich auf dein Boot und dein Team, nicht auf die anderen.
• Wintertraining ist genau so wichtig wie Sommertraining. Wer im Winter viel investiert, wird im Sommer eher belohnt.
• Geniesse die Menschen, die du triffst, die Atmosphäre bei Wettkämpfen und das Gefühl, dass die harte Arbeit irgendwann belohnt wird.

Fazit
Die U19-WM in Plovdiv war für mich ein Mix aus Stolz, Enttäuschung, Teamgefühl und der Erkenntnis, dass der Weg selbst fast wichtiger ist als das Ergebnis. Ich bin dankbar für die Erfahrung, für meine Bootspartner Lucas, David und Alexander, für alle, die mich unterstützt haben – besonders für meine Trainerin Giulia (Pollini, Anm. Redaktion), die mich mit ihrer Erfahrung und ihrem Vertrauen immer wieder aufgebaut hat, mich bei jedem Schritt begleitet hat, und für den Ruderclub Thalwil, der mir das Gefühl gab, ein kleines zweites Zuhause zu haben.

Ich hoffe, mein Bericht motiviert euch, selbst gross zu träumen, hart zu arbeiten und den Weg zu geniessen, auch wenn er nicht immer so läuft, wie man ihn plant.

Jonas Fröhndrich
Ruderclub Thalwil 

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